Vorsicht beim Drittlands-Export über den Ladentisch

Falls Sie über den Ladentisch an Nicht-EU-Ausländer (zum Beispiel Schweizer, Araber, Russen, Türken, Amerikaner) verkaufen und diesen anbieten, ihnen nach erfolgtem Ausfuhrnachweis die Mehrwertsteuer zu erstatten, brauchen Sie die Originalrechnung zurück. Wenn Ihnen ein Prüfer nachweist, dass der Ausländer die Rechnung mit gesondertem Umsatzsteuerausweis nicht zurückgegeben hat, schulden Sie die Mehrwertsteuer trotzdem nach Paragraph 14c UStG.

Unser Rat: Wenn Sie zum Beispiel etwas für 119 Euro verkaufen, dann stellen Sie eine Rechnung über 119 Euro brutto aus – ohne Umsatzsteuerausweis. Nach erfolgter Ausfuhrbescheinigung erstatten Sie die 19 Euro zurück. Dann müssen Sie die Rechnung nicht zurückverlangen, weil Sie gar keine Umsatzsteuer ausgewiesen haben.

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Eichenau

Komplexe Anlagen und Maschinen nicht zu früh abschreiben

Mit der Abschreibung eines Anlageguts können Sie ab Übergang des wirtschaftlichen Eigentums beginnen. Dafür ist in aller Regel der Besitzübergang ausreichend. Bei komplexen Anlagen reicht das allerdings nicht. Hier muss noch ein Abnahmeprotokoll hinzukommen, das die fehlerfreie Funktion der Anlage dokumentiert.
Wenn die Montage im alten Jahr, die Abnahme aber erst im neuen Jahr passiert, kann erst im neuen Jahr mit der Abschreibung begonnen werden. Das musste eine GmbH erfahren, die eine Windkraft¬anlage bestellt hatte. Diese wurde noch 2010 fertig montiert, aber die Abnahme erfolgte erst 2011. Die Folge: Abschreibung erst ab 2011.(BFH, 01.02.12, I R 57/10, DStR 12, 841)

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Eichenau

Steuerprüfer drehen durch bei EU-Exporten

Lieferungen in ein anderes EU-Land sind umsatzsteuerfrei, wenn sicher ist, dass die Ware tatsächlich dorthin gelangt. Das ist immer dann unproblematisch, wenn man die Ware selbst transportiert oder einer ordentlich arbeitenden Spedition übergibt. Kritisch sind meist die so genannten „Abhol¬fälle“.
In diesen Fällen taucht der Unternehmer aus dem anderen EU-Land persönlich in Deutschland auf und er selbst oder ein Beauftragter holt die Ware ab und bestätigt, dass er sie in ein anderes EU-Land exportieren wird.

In einem konkreten Fall wollte das Finanzamt die Umsatzsteuerfreiheit streichen, weil die Unterschrift auf der Passkopie des Abholers von der Unterschrift auf der Empfangsbestätigung erheblich abwich. Dies hält das Finanzgericht Niedersachsen jedoch für eine überspitzte Anforderung.

In einer anderen Konstellation war man aber strenger: Hier sollte ein Auto laut Rechnung nach Italien geliefert werden, laut Frachtbrief der abholenden Spedition ging der Wagen aber nach Frankreich. Das sei ein Widerspruch, dem man hätte nachgehen müssen. Weil das nicht passiert ist, wurde hier die Umsatzsteuerfreiheit gestrichen. (FG Niedersachsen, 11.08.11, 5 K 96/08, Revision unter Az BFH XI R 17/12)

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Eichenau

Kontokorrent: Wie Sie Ihr Rating verbessern und Zinsen sparen

Viele Unternehmen haben einen Kontokorrentkredit, von dem sie einen Bodensatz das ganze Jahr über nutzen. Das hat zwei Nachteile: Erstens zahlt man dafür zu viel Zinsen und zweitens ergibt sich eine wich¬tige Kennziffer für das Bankenrating, nämlich die Umschlagshäufigkeit.

Was bedeutet die Umschlagshäufigkeit? Angenommen, Sie haben einen Kontokorrentkredit von 200.000 Euro und einen Kontoumsatz im Jahr von zwei Millionen (gemeint sind hier Geldeingänge auf Ihr Geschäftskonto). Dann ist Ihre Umschlagshäufigkeit zehn (zwei Millionen Euro geteilt durch 200.000). Angenommen, von den 200.000 Euro nutzen Sie 100.000 ständig aus, Ihr Kontostand schwankt also immer zwischen minus 100.000 und minus 200.000 Euro. Wenn Sie den Bodensatz in ein Bankdarlehen umfinanzieren, sinkt der Kontokorrentkredit auf 100.000 Euro und die Umschlagshäufigkeit steigt dadurch von zehn auf 20 (zwei Millionen Euro geteilt durch 100.000 Euro Konto¬korrentkredit). Und je höher die Umschlagshäufigkeit, desto besser für Ihre Rating-Note.

Nebenbei sparen Sie Zinsen: Kontokorrentzinsen liegen oft zwischen sechs und neun Prozent pro Jahr. Bankdarlehen bekommt man zur Zeit bei entsprechenden Sicherheiten oft zwischen vier und fünf Prozent. Wenn Sie ein Grundstück als Sicherheit hinterlegen können, können Sie sogar unter drei Prozent kommen.

Fazit: Ein dauerhaft ausgenutzter Kontokorrentkredit kostet unnötig Geld und schadet Ihrem Bankenrating.

Ihr Steuerberater für Eichenau
Alfred Gesierich

Benzingutschein & Co.: So vermeiden Sie Diskussionen

Benzingutscheine waren bis 2010 aufgrund bürokratischer Hemmnisse in der Praxis kaum umsetzbar. Diese Hemmnisse wurden im Herbst 2010 durch drei BFH-Urteile weitestgehend beseitigt. Der „steuerfreie Sachbezug“ bis 44 Euro im Monat ist jetzt sehr leicht nutzbar, denn das oberste Steuergericht verlangt nur, dass der Mitarbeiter eben kein Geld bekommen darf, sondern nur eine Sache. Leider hat das Bundesfinanzministerium bisher kein präzisierendes Schreiben zu dem Thema herausgebracht und wird das wahrscheinlich auch nicht tun.
Sie sollten daher ein paar ungeschriebene Regeln einhalten. Insbesondere empfehlen wir, folgende Gestaltungen zu unterlassen:

VERMEIDEN – Mitarbeiter tankt für mehr als 44 Euro: Laut Urteil des BFH ist es zwar nicht ausdrücklich verboten, dass der Mitarbeiter für mehr als 44 Euro tankt, aber aufgrund des Gutscheins nur 44 Euro vom Arbeitgeber ersetzt bekommt. Wir würden diese Gestaltung dennoch vermeiden. Wenn der Tank für 44 Euro nicht voll wird, soll der Mitarbeiter lieber erst einmal für genau 44 Euro tanken, dann den Gutschein vorlegen und zahlen und in einem zweiten Tankvorgang auf eigene Kosten voll tanken. Überschreitet der Mitarbeiter den 44-Euro-Betrag geringfügig – er tankt z. B. für 46 Euro -, muss er den überschießenden Betrag – hier zwei Euro – dem Betrieb ersetzen.
(H 8.1 (1-4) Stichwort Warengutschein, LStR 2012)

VERMEIDEN – Freie Wahl des Geschäftes: Manche stellen „Gutscheine“ aus, die zum beliebigen Einkauf in einem Geschäft nach Wahl berechtigen. Auch hier könnte ein strenger Betriebsprüfer bezweifeln, ob so etwas noch als „Sachbezug“ gelten kann. Wir empfehlen, die Gutscheine auf zwei oder drei Geschäfte einzugrenzen, z. B. Tankstelle A, Supermarkt B oder Baumarkt C. Schreiben Sie auf den Gutschein: „Dieser Gutschein berechtigt Sie, ( ) bei der Tankstelle A Kraftstoff zu tanken, ( ) im Supermarkt B Lebensmittel einzukaufen oder ( ) im Baumarkt C Heimwerkerbedarf zu besorgen.“ Auch das wird einen strengen Betriebsprüfer zufriedenstellen.

VERMEIDEN – gar kein Gutschein in der Buchhaltung: Theoretisch ist es zwar nicht ausgeschlossen, den Mitarbeiter aufgrund mündlicher Anweisung zum Einkaufen zu schicken und ihm anschließend das Geld zu ersetzen, aber wir raten davon ab. Sie sollten bei den Lohnunterlagen schon einen Gutschein vorweisen können, der von Ihnen beiden unterschrieben ist.

Fazit: Die Urteile von 2010 lassen viel Freiheiten, man sollte aber den Bogen nicht überspannen und einen Betriebsprüfer nicht übermäßig provozieren. Das freiwillige Einhalten von nicht ausdrücklich vorgeschriebenen Formalitäten wird auch einen strengen Prüfer zufriedenstellen.

Herzliche Grüße,
Dipl.-Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Eichenau

Aufbewahrungsfristen sollen verkürzt werden

Ihre Buchführungsunterlagen müssen Sie möglicherweise bald keine zehn Jahre mehr aufbewahren. Nach dem Entwurf des Jahressteuergesetzes 2013 soll die zehnjährige Aufbewahrungspflicht für Buchführungsunterlagen von zehn Jahren stufenweise auf sieben Jahre reduziert werden.
Das gilt aber schrittweise immer nur für Unterlagen, deren Aufbewahrungsfrist noch nicht abgelaufen ist. Bis man wirklich alles nach sieben Jahren wegwerfen kann, werden also noch ein paar Jahre vergehen.
Ich halte Sie auf dem Laufenden über den Fortgang des Gesetzgebungsverfahrens

Herzliche Grüße,
Dipl.-Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Eichenau

Bei EU-Lieferungen bleibt vorerst alles beim Alten

Exporte in andere EU-Länder sind nur umsatzsteuerfrei, wenn man nachweisen kann, dass die Ware dorthin gelangt ist. Die Vorschriften, wie dieser Nachweis zu führen sei, wurden zu Beginn des Jahres massiv verschärft und sollten spätestens ab 1. Juli 2012 zwingend anzuwenden sein.

Gegen diese massive Verschärfung hat sich ein Proteststurm in der Wirtschaft entfacht, sodass die Änderungen nun auf Eis gelegt wurden. Der maßgebliche § 17a UStDV soll nun abermals geändert werden. Bis diese Änderung rechtskräftig ist, bleiben die alten Anforderungen weiterhin maßgeblich, so wie sie bis Ende 2011 gegolten haben.
(BMF-Schreiben vom 01.06.12)

Herzliche Grüße,
Dipl.-Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Eichenau